AU nicht bestanden: Welche typischen Ursachen dahinterstecken können
Was ein nicht bestandenes AU-Ergebnis bedeutet
„AU nicht bestanden“ ist zunächst kein Urteil über den Gesamtzustand des Fahrzeugs. Das Ergebnis zeigt, dass bei der Abgasuntersuchung ein relevanter Messwert oder ein abgasbezogener Diagnosebefund nicht den Anforderungen entspricht. Dahinter können erhöhte Emissionen stehen, aber auch Auffälligkeiten in der Abgasreinigung, der Motorsteuerung oder der elektronischen Überwachung.
Entscheidend ist deshalb der konkrete Befund im Prüfbericht. Die Abgasuntersuchung berücksichtigt je nach Fahrzeug und Antriebsart unterschiedliche Mess- und Diagnosedaten. Diese Angaben helfen dabei, die weitere Ursachenklärung in die richtige Richtung zu lenken.
Typische Ursachegruppen sind:
- Abweichende Abgaswerte, weil Verbrennung oder Abgasreinigung nicht wie vorgesehen arbeiten.
- Störungen an Bauteilen, die für die Aufbereitung oder Überwachung der Abgase wichtig sind.
- Elektronische Hinweise aus dem Fahrzeug, etwa abgasrelevante Fehlereinträge oder unvollständige Diagnosezustände.
Ein nicht bestandenes Ergebnis bedeutet nicht automatisch einen schweren oder teuren Schaden. Es zeigt aber, dass die Ursache vor einer erneuten Prüfung nachvollziehbar eingegrenzt werden sollte. Welche Systeme dabei relevant sind, hängt von Antriebsart, Abgastechnik und dem festgestellten Befund ab.
Typische Emissionsursachen bei Benzinmotoren
Bei Benzinmotoren können erhöhte CO- oder HC-Werte auffallen. CO ist Kohlenmonoxid, HC steht für unverbrannte Kohlenwasserstoffe. Solche Werte können darauf hindeuten, dass Verbrennung, Gemischaufbereitung und Abgasreinigung nicht wie vorgesehen zusammenwirken. Ein Fahrzeug kann im Alltag dabei durchaus unauffällig fahren, während die Abweichung unter den Prüfbedingungen messbar wird.
Häufig lassen sich mögliche Ursachen drei Bereichen zuordnen:
- Abgasreinigung: Der Katalysator wandelt unter anderem Kohlenmonoxid und unverbrannte Kohlenwasserstoffe um. Erreicht er seine wirksame Betriebstemperatur nicht oder arbeitet er nicht ausreichend, können Messwerte auffällig sein. Kurzstreckenbetrieb kann dabei ein Einflussfaktor sein, ist für sich allein aber keine Diagnose.
- Sensorik und Regelung: Die Lambdasonde liefert dem Motormanagement Informationen über den Sauerstoffgehalt im Abgas. Unplausible Signale oder Regelabweichungen können das Luft-Kraftstoff-Verhältnis beeinflussen und damit CO- oder HC-Werte verändern.
- Gemischaufbau: Undichtigkeiten im Ansaugsystem sowie Abweichungen bei Kraftstoffzufuhr oder Einspritzung können das Verhältnis von Luft und Kraftstoff verändern. Das muss nicht zwingend mit Ruckeln, Leistungsverlust oder deutlich höherem Verbrauch einhergehen.
Aus einem einzelnen erhöhten Messwert lässt sich kein bestimmtes defektes Bauteil ableiten. Erst die Diagnose am konkreten Fahrzeug kann klären, welche Ursache tatsächlich vorliegt.
Typische Ursachen bei Dieselfahrzeugen
Bei Dieselfahrzeugen stehen häufig Ruß- und Partikelemissionen sowie die Funktion der Abgasnachbehandlung im Mittelpunkt. Die Systeme sind aufeinander abgestimmt: Motorbetrieb, Abgasrückführung, Partikelfilter und Sensorik können sich gegenseitig auf die Emissionen und Diagnoseeinträge auswirken. Welche Prüfung im Einzelfall maßgeblich ist, richtet sich nach Fahrzeug und vorhandener Abgastechnik; Informationen zum Ablauf bietet die AU-Leistungsseite.
Eine mögliche Ursache ist ein Partikelfilter, der Ruß nicht ausreichend zurückhält oder dessen Regeneration nicht wie vorgesehen abläuft. Für die Regeneration sind geeignete Betriebsbedingungen erforderlich; bei häufigen Kurzstrecken können diese unter Umständen nicht erreicht werden. Der ADAC erläutert Funktion und Regeneration von Dieselpartikelfiltern. Ein auffälliger Filter ist jedoch nur eine mögliche Erklärung, nicht automatisch die Ursache eines nicht bestandenen Ergebnisses.
Daneben können Störungen an der Abgasrückführung oder unplausible Messwerte von Druck- und Temperatursensoren relevant sein. Diese Werte werden für die Steuerung und Überwachung der Abgasnachbehandlung benötigt. Arbeitet das System insgesamt nicht stimmig, können Messwerte oder elektronische Befunde auffällig werden. Anders als beim Benziner stehen beim Diesel daher häufiger Partikelminderung und mehrere Systeme der Abgasnachbehandlung im Vordergrund. Eine verlässliche Zuordnung erfordert stets die Prüfung des einzelnen Fahrzeugs.
OBD und elektronische Befunde richtig einordnen
Bei der Abgasuntersuchung kann ein elektronischer Befund entscheidend sein, auch wenn kein sichtbarer Defekt auffällt. Die On-Board-Diagnose, kurz OBD, überwacht abgasrelevante Systeme, speichert erkannte Störungen und dokumentiert den Status bestimmter Selbsttests. Ein aktiver emissionsrelevanter Fehlercode oder ein nicht plausibler Diagnosezustand kann deshalb für das Ergebnis maßgeblich sein.
Nicht jeder Eintrag im Fehlerspeicher betrifft die Abgasreinigung. Meldungen zu Komfort- oder Assistenzfunktionen sind nicht automatisch für die AU relevant. Bedeutung haben vor allem Hinweise auf Störungen in Motorsteuerung, Sensorik oder Abgasnachbehandlung, wenn diese die Emissionen beeinflussen können.
Warum ein gelöschter Fehler nicht immer ausreicht
Nach dem Löschen des Fehlerspeichers starten viele OBD-Überwachungen erneut. Die Bereitschafts- oder Diagnosezustände zeigen, ob das Steuergerät die vorgesehenen Prüfungen für relevante Systeme durchführen konnte. Sind einzelne Überwachungen noch nicht abgeschlossen, lässt sich die Abgasfunktion gegebenenfalls nicht abschließend bewerten.
Ein gelöschter Eintrag ist daher nicht gleichbedeutend mit einer behobenen Ursache. Erst wenn die Störung geklärt ist und das Fahrzeug die erforderlichen Selbsttests im regulären Betrieb wieder durchlaufen hat, lässt sich der elektronische Befund sinnvoll einordnen.
- Aktive Fehlercodes: Sie können auf eine aktuell erkannte abgasrelevante Störung hinweisen.
- Warnleuchten: Eine leuchtende Motorkontrollleuchte weist darauf hin, dass das Motormanagement eine Störung erkannt hat.
- Nicht abgeschlossene OBD-Tests: Nach Reparaturen oder dem Löschen von Einträgen können Diagnosemonitore zunächst noch unvollständig sein.
Nach der nicht bestandenen AU richtig vorgehen
Lesen Sie zunächst den Prüfbericht: Welcher Messwert, Diagnosehinweis oder Befund hat zur Beanstandung geführt? Der Bericht zeigt, in welche Richtung die Ursachenklärung gehen sollte, ersetzt aber keine technische Diagnose.
Für die weitere Eingrenzung sollte der Befund im Zusammenhang bewertet werden. Messwerte, Fehlerspeichereinträge und der Zustand betroffener Systeme können zusammenhängen. Es ist deshalb nicht sinnvoll, ohne Diagnose vorschnell ein einzelnes Bauteil als Ursache festzulegen.
Auch das bloße Löschen eines Fehlercodes oder kurzfristige Maßnahmen zur Verbesserung der Werte beseitigen keine tatsächliche Störung. Nach einer nachvollziehbaren Instandsetzung sollte das Fahrzeug unter passenden Betriebsbedingungen erneut geprüft werden. Relevante Warnhinweise sollten nicht mehr vorliegen, und die elektronische Diagnose sollte wieder einen plausiblen Zustand zeigen.
Nehmen Sie den Prüfbericht zur Diagnose mit. Nach der Ursachenbehebung kann die erneute Abgasuntersuchung bei KÜS Moers erfolgen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Bedeutet eine nicht bestandene AU automatisch einen schweren Defekt?
Nein. Das Ergebnis zeigt zunächst, dass ein relevanter Messwert oder Diagnosebefund nicht den Anforderungen entspricht. Die Ursache kann von einer Abweichung bei den Emissionen bis zu einer elektronischen Auffälligkeit reichen.
Warum kann ein Benziner trotz unauffälligem Fahrverhalten bei der AU auffallen?
Abweichungen bei Gemischaufbereitung, Sensorik oder Abgasreinigung müssen im Alltag nicht deutlich spürbar sein. Unter Prüfbedingungen können sie dennoch über Messwerte wie CO oder HC sichtbar werden.
Ist bei einem Diesel immer der Partikelfilter die Ursache?
Nein. Ein Partikelfilter oder eine unvollständige Regeneration kommen als Ursachen infrage. Ebenso können Motorbetrieb, Abgasrückführung, Sensoren oder weitere Teile der Abgasnachbehandlung eine Rolle spielen.
Reicht es, einen abgasrelevanten Fehlercode vor der erneuten Prüfung zu löschen?
Nein. Das Löschen beseitigt die Ursache nicht. Außerdem können OBD-Überwachungen danach erneut anlaufen und zunächst noch keinen vollständigen Diagnosezustand anzeigen.
Was sollte ich nach einer nicht bestandenen AU als Erstes tun?
Prüfen Sie den Prüfbericht auf den beanstandeten Messwert oder Diagnosehinweis. Mit diesem Befund kann die Ursache gezielt eingegrenzt und das Fahrzeug nach der Instandsetzung erneut untersucht werden.
Quellen und weiterführende Informationen
Diesel-Partikelfilter: Funktion, Reinigung und Regeneration – ADAC
