Reifen für die HU: Welche Mängel an Profil, Zustand und Kombination kritisch sind

Bei der HU zählt der Reifen als Ganzes

Bei Reifen geht es in der Hauptuntersuchung nicht nur um einen einzelnen Messwert. Räder und Reifen sind sicherheitsrelevant: Neben der Profiltiefe spielen sichtbare Schäden, der Zustand des Materials sowie eine zum Fahrzeug passende Rad-Reifen-Kombination eine Rolle.

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 Millimeter. Sie muss im Hauptprofil über den gesamten Reifenumfang und auf der maßgeblichen Breite der Lauffläche vorhanden sein. Ein Reifen kann trotz ausreichender Profiltiefe auffällig sein, etwa bei einer Beule, tiefen Rissen oder einer nicht zulässigen Kombination mit Felge und Fahrzeug.

Der optische Ersteindruck reicht deshalb nicht aus. Wer den Termin vorbereitet, sollte alle vier Reifen prüfen: Profil, Lauffläche, Flanken, Kennzeichnungen und die Gleichartigkeit der Bereifung. Weitere Hinweise zum Ablauf bietet die Seite zur Hauptuntersuchung.

Profil und Verschleißbild richtig beurteilen

Entscheidend ist nicht, ob an einer Stelle noch ausreichend Profil sichtbar ist. Messen oder prüfen Sie das Profil an mehreren Punkten: innen, in der Mitte und außen sowie an unterschiedlichen Stellen rund um den Reifen. Die gesetzliche Untergrenze von 1,6 Millimetern gilt im Hauptprofil über den gesamten Umfang, nicht nur an der am besten erhaltenen Stelle.

Eine erste Orientierung geben die Verschleißanzeiger in den Hauptprofilrillen. Diese kleinen Stege liegen auf Höhe der gesetzlichen Mindestprofiltiefe. Ist die Lauffläche dort nahezu bündig mit dem Steg, sollte der Reifen ersetzt werden; für eine zuverlässige Einschätzung ist eine Profiltiefenmessung an mehreren Stellen sinnvoll.

Auch das Verschleißbild verdient Aufmerksamkeit. Es liefert keine sichere Diagnose, kann aber auf Ursachen außerhalb des Reifens hinweisen:

  • Einseitiger Abrieb: Ist vor allem die Innen- oder Außenschulter deutlich stärker abgenutzt, kommen beispielsweise Spurwerte, Fahrwerksteile oder die bisherige Nutzung als Ursache in Betracht.
  • Verschleiß in der Mitte oder an beiden Schultern: Solche Muster können unter anderem mit längerfristig nicht passendem Luftdruck zusammenhängen.
  • Sägezahnbildung: Die Profilblöcke fühlen sich in eine Laufrichtung rauer an als in die andere. Häufig fällt das zusätzlich durch veränderte Abrollgeräusche auf.
  • Deutliche Unterschiede zwischen den Rädern: Stark abweichende Profiltiefen oder Verschleißbilder sollten nicht isoliert betrachtet werden, sondern im Zusammenhang mit der jeweiligen Achse und dem Fahrzeug.

Ungleichmäßiger Abrieb beweist keinen bestimmten Defekt. Wenn das Fahrzeug zieht, vibriert, das Lenkrad schief steht oder das Profil auffällig ungleich abläuft, ist es jedoch sinnvoll, Reifen, Spur und Fahrwerk vor dem HU-Termin überprüfen zu lassen.

Reifenschäden: Warnzeichen rechtzeitig erkennen

Risse, Beulen, poröse Stellen und tiefe Einschnitte können auch bei noch gutem Profil kritisch sein. Besonders Beulen sollten ernst genommen werden: Sie können auf eine Beschädigung im tragenden Aufbau des Reifens hinweisen. Sichtbares Gewebe oder Karkassenfäden, tiefe Schnitte und Ablösungen sind keine bloßen Schönheitsfehler.

Leichte oberflächliche Scheuerspuren nach einem Bordsteinkontakt sind nicht automatisch ein Sicherheitsmangel. Lässt sich die Beschädigung aber deutlich ertasten, reicht sie tief in die Flanke oder ist Material herausgerissen, sollte der Reifen fachlich beurteilt werden. Die Seitenwand ist besonders empfindlich, weil sie sich während der Fahrt fortlaufend verformt.

Steckt eine Schraube, ein Nagel oder ein anderer Gegenstand im Reifen, sollte dieser nicht vorschnell herausgezogen werden. Ob der Reifen repariert werden kann, hängt unter anderem von Position und Ausmaß der Beschädigung ab. Auffällige, undichte oder nicht nachvollziehbare Reparaturstellen sollten vor der HU geklärt werden.

Auch lange Standzeiten können relevant sein. Ein Fahrzeug, das über Wochen oder Monate kaum bewegt wurde, kann Unwuchten oder Vibrationen durch Standplatten zeigen. Bei älteren Reifen sollten Sie zusätzlich auf feine Risse, verhärtet wirkende Flanken und poröse Bereiche achten. Eine feste gesetzliche Altersgrenze für Pkw-Reifen gibt es nicht; das Herstellungsdatum lässt sich am DOT-Code auf der Reifenflanke ablesen. Maßgeblich bleibt der tatsächliche Zustand des Reifens.

Reifenkombinationen: Was bei Größe, Bauart und Felgen zählt

Bei der HU wird nicht nur jeder Reifen für sich betrachtet. Auch die Kombination aus Reifen, Felgen und Fahrzeug muss passen. Eine im Alltag unauffällige Bereifung ist nicht automatisch zulässig, wenn Größe, Bauart, Tragfähigkeit oder Geschwindigkeitskennung nicht mit den genehmigten Angaben für das Fahrzeug übereinstimmen.

Unterschiedliche Reifengrößen an Vorder- und Hinterachse können zulässig sein, wenn sie für das konkrete Fahrzeug vorgesehen und durch die Fahrzeugunterlagen oder zugehörige Genehmigungsunterlagen abgedeckt sind. Ohne diesen Nachweis kann eine abweichende Dimension beanstandet werden. Prüfen Sie deshalb insbesondere bei gebraucht übernommenen Rädern, Zubehörfelgen oder einzelnen Ersatzreifen die vorhandenen Unterlagen.

Verschiedene Marken oder Profile sind nicht in jedem Fall automatisch ein HU-Mangel. Unterschiede bei Profil, Gummimischung und Aufbau können das Fahrverhalten jedoch beeinflussen. Auf einer Achse sollten die Reifen daher möglichst gleichartig sein. Bei Allradfahrzeugen können deutlich unterschiedliche Abrollumfänge zusätzlich problematisch sein, weil sie den Antrieb belasten können.

Radial- und Diagonalreifen dürfen nicht gemeinsam verwendet werden. Bei Pkw ist die Radialbauart üblich; das „R“ in einer Größenangabe wie 205/55 R16 steht dafür. Auch bei Felgen gilt: Dass ein Reifen technisch montierbar ist, bedeutet nicht automatisch, dass die Kombination für das Fahrzeug genehmigt ist. Stimmen Sie Reifengröße, Felgendaten, Lastindex und Geschwindigkeitsklasse mit den Fahrzeugunterlagen ab. Bei geänderten Rad-Reifen-Kombinationen kann eine Änderungsabnahme erforderlich sein.

Reifen vor der HU selbst prüfen

Mit einer kurzen Kontrolle vor dem Termin lassen sich viele Auffälligkeiten früh erkennen:

  • Prüfen Sie die Profiltiefe an mehreren Stellen jedes Reifens – innen, mittig und außen.
  • Kontrollieren Sie Laufflächen und Flanken bei gutem Licht auf Risse, Beulen, Schnitte, Fremdkörper und ungewöhnliche Reparaturstellen.
  • Vergleichen Sie Verschleißbild, Reifengröße und Kennzeichnungen auf derselben Achse.
  • Prüfen Sie den Luftdruck bei kalten Reifen nach der Herstellervorgabe des Fahrzeugs.
  • Sehen Sie bei abweichenden Felgen oder Reifengrößen in Zulassungsbescheinigung, CoC-Papieren und vorhandene Genehmigungsunterlagen.

Gehen Sie genauer hin, wenn das Fahrzeug beim Fahren zur Seite zieht, Vibrationen auftreten, das Lenkrad nicht gerade steht oder einzelne Reifen deutlich anders abgenutzt sind. Solche Anzeichen können vom Reifen selbst kommen, aber auch mit Unwucht, Spur oder Fahrwerk zusammenhängen. Allein am Verschleißbild lässt sich die Ursache nicht zuverlässig bestimmen.

Bei Beulen, freiliegendem Gewebe, tiefen Beschädigungen oder einem fest sitzenden Fremdkörper sollte das Fahrzeug vor einer weiteren längeren Fahrt geprüft werden. Wenn der Zustand oder die Zulässigkeit der Bereifung unklar ist, kann die KÜS-Prüfstelle Moers im Rahmen der Hauptuntersuchung informieren, welche Unterlagen und Punkte für den Termin relevant sind.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Reichen 1,6 Millimeter Profiltiefe für die HU aus?

Die Mindestprofiltiefe muss im Hauptprofil über den gesamten Umfang und die maßgebliche Breite der Lauffläche vorhanden sein. Zusätzlich werden sichtbare Schäden und die passende Rad-Reifen-Kombination berücksichtigt.

Wo sollte ich die Profiltiefe messen?

Messen Sie an mehreren Stellen der Lauffläche: an der Innen- und Außenseite sowie in der Mitte. Wiederholen Sie die Kontrolle rund um den Reifen, damit ein lokal stärkerer Verschleiß nicht übersehen wird.

Ist einseitiger Reifenabrieb automatisch ein HU-Mangel?

Nicht jedes ungleichmäßige Verschleißbild führt automatisch zu einer Beanstandung. Erreicht das Profil die Mindesttiefe nicht mehr oder deutet der Zustand auf ein weiteres Problem hin, sollte die Ursache vor dem Termin geklärt werden.

Kann ich mit einer Beule am Reifen zur HU fahren?

Eine Beule kann auf einen Schaden im Reifenaufbau hindeuten. Der Reifen sollte vor einer weiteren längeren Fahrt fachlich beurteilt und bei Sicherheitsbedenken ersetzt werden.

Sind unterschiedliche Reifenmarken auf einer Achse erlaubt?

Unterschiedliche Marken sind nicht in jedem Fall automatisch unzulässig. Unterschiede bei Profil, Aufbau und Abrollumfang können das Fahrverhalten dennoch beeinträchtigen. Gleichartige Reifen auf einer Achse sind daher die sinnvollere Lösung.

Quellen und weiterführende Informationen